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Each-Way-Wette bei Pferderennen – so funktioniert die doppelte Chance

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Was steckt hinter Each Way – und warum nutzen es Profis?

Meine erste Each-Way-Wette habe ich aus Versehen abgegeben. Ich dachte, ich hätte eine normale Siegwette auf einen Außenseiter platziert – Quote 14,00, Einsatz 20 Euro. Das Pferd wurde Zweiter. Statt eines Totalverlusts bekam ich 38 Euro zurück. Nicht der große Wurf, aber besser als nichts. Der Grund: Ich hatte unwissentlich „Each Way“ angekreuzt und damit zwei Wetten auf einem Schein platziert.

Each Way ist im britischen Pferderennsport seit Jahrzehnten Standard und gehört dort zum Grundrepertoire jedes Wetters. In Deutschland ist die Wettart weniger verbreitet, aber die meisten spezialisierten Pferdewetten-Anbieter bieten sie an. Der Clou: Du setzt gleichzeitig auf Sieg und auf eine Platzierung – und zahlst dafür den doppelten Einsatz. Klingt teuer. Ist es auch. Aber unter bestimmten Bedingungen ist es die klügere Variante als eine reine Siegwette. Ich habe in den letzten Jahren hunderte Each-Way-Wetten analysiert und kann sagen: Wer die Mathematik dahinter versteht, erkennt schnell, wann diese Wettart einen echten Vorteil bietet – und wann sie nur das Konto belastet.

Aufbau einer Each-Way-Wette – Sieg plus Platz

Eine Each-Way-Wette besteht aus exakt zwei Teilen, die als getrennte Wetten behandelt werden. Der erste Teil ist eine klassische Siegwette – dein Pferd muss gewinnen. Der zweite Teil ist eine Platzwette – dein Pferd muss unter den ersten zwei, drei oder vier Pferden ins Ziel kommen, je nach Feldgröße und Anbieter.

Dein Einsatz verdoppelt sich automatisch. Wenn du „10 Euro Each Way“ setzt, zahlst du 20 Euro – 10 Euro auf Sieg, 10 Euro auf Platz. Das ist der Punkt, den viele Anfänger übersehen und der für unangenehme Überraschungen auf dem Kontoauszug sorgt.

Die Platzquote berechnet sich aus der Siegquote, geteilt durch einen festen Faktor. Dieser Faktor hängt vom Anbieter und der Feldgröße ab, liegt aber typischerweise bei einem Viertel oder einem Fünftel der Siegquote. Bei einem Rennen mit acht und mehr Startern gilt bei den meisten Anbietern: Platzquote = Siegquote geteilt durch 4 für die ersten drei Plätze. Bei Rennen mit großen Feldern – etwa Handicap-Rennen mit 16 oder mehr Startern – werden manchmal die ersten vier Plätze als „platziert“ gewertet, bei einem Fünftel der Siegquote.

Die konkreten Regeln variieren. Bevor du eine Each-Way-Wette platzierst, schau dir die Bedingungen des jeweiligen Rennens beim Anbieter an. Dort steht, wie viele Plätze gelten und welcher Quotenanteil für den Platzteil verwendet wird. In Großbritannien, wo rund 68 Prozent aller Pferderennen-Wetten online platziert werden, sind diese Bedingungen standardisiert und sofort sichtbar. Bei deutschen Anbietern lohnt sich ein zweiter Blick, weil die Regeln weniger einheitlich sind.

Gewinnberechnung Schritt für Schritt

Rechnen wir ein konkretes Beispiel durch. Ein Galopprennen mit zwölf Startern, dein Pferd hat eine Siegquote von 8,00. Du setzt 10 Euro Each Way – also insgesamt 20 Euro.

Die Platzquote beträgt bei einem Viertel der Siegquote: (8,00 – 1) / 4 + 1 = 2,75. Die Formel dahinter: Vom Nettogewinnanteil der Siegquote wird ein Viertel genommen und der Einsatz wieder addiert. Manche Anbieter vereinfachen das und zeigen die Platzquote direkt an – noch besser.

Szenario eins – dein Pferd gewinnt: Siegwette zahlt 10 Euro mal 8,00 = 80 Euro. Platzwette zahlt ebenfalls, weil ein Sieger automatisch platziert ist: 10 Euro mal 2,75 = 27,50 Euro. Gesamtauszahlung: 107,50 Euro. Abzüglich deines Einsatzes von 20 Euro bleibt ein Nettogewinn von 87,50 Euro.

Szenario zwei – dein Pferd wird Zweiter oder Dritter: Die Siegwette ist verloren, die 10 Euro sind weg. Aber die Platzwette greift: 10 Euro mal 2,75 = 27,50 Euro. Abzüglich des Gesamteinsatzes von 20 Euro bleibt ein Nettogewinn von 7,50 Euro. Nicht berauschend, aber ein Plus statt eines Totalverlusts.

Szenario drei – dein Pferd wird Vierter oder schlechter: Beide Teile der Wette verlieren. Dein Einsatz von 20 Euro ist komplett weg. Der doppelte Einsatz im Vergleich zur reinen Siegwette macht den Verlust spürbarer. Der durchschnittliche Wettumsatz pro Galopprennen in Deutschland erreichte 2024 einen neuen Rekordwert von 34.499 Euro – in dieses Volumen fließen auch Each-Way-Einsätze ein, die den Pool vergrößern und die Dynamik der Quoten beeinflussen.

Drei Szenarien – Sieg, Platz, Verlust

Die drei Szenarien oben zeigen das Grundmuster. Aber was bedeutet das für deine Entscheidung?

Wenn dein Pferd eine kurze Quote hat – sagen wir 2,50 – sieht die Rechnung düster aus. Die Platzquote läge bei etwa 1,38. Bei einem Platzergebnis bekommst du 13,80 Euro zurück, hast aber 20 Euro eingesetzt. Verlust trotz korrekter Platzierung. Bei Favoriten mit Quoten unter 3,00 ist Each Way fast immer ein schlechtes Geschäft. Du zahlst den doppelten Einsatz, und die Platzquote reicht nicht, um den Siegwettenverlust auszugleichen.

Anders bei Außenseitern. Ein Pferd mit Quote 16,00 hat eine Platzquote von rund 4,75. Selbst wenn es „nur“ Zweiter wird, hast du bei 10 Euro Each Way einen Nettogewinn von 27,50 Euro. Und wenn es gewinnt, liegt die Gesamtauszahlung bei 207,50 Euro. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis verschiebt sich deutlich zugunsten der Each-Way-Wette, je höher die Siegquote ist.

In meiner eigenen Wettstrategie nutze ich Each Way ausschließlich bei Pferden mit Quoten ab 6,00 aufwärts. Darunter überwiegt der Nachteil des verdoppelten Einsatzes den Sicherheitseffekt der Platzwette.

Wann sich Each Way lohnt – und wann nicht

Each Way ist kein Allheilmittel und kein Sicherheitsnetz für schlechte Tipps. Es ist ein Werkzeug, das unter bestimmten Bedingungen einen mathematischen Vorteil bietet.

Lohnend wird Each Way bei Rennen mit großen Feldern – zehn und mehr Starter –, bei denen die Ergebnisbreite hoch ist und die Platzierungswahrscheinlichkeit für gute Pferde deutlich über der reinen Siegwahrscheinlichkeit liegt. Bei einem Feld mit zwölf Startern hat ein solides Pferd vielleicht eine Siegchance von 10 Prozent, aber eine Platzchance von 30 Prozent. Die Each-Way-Wette fängt diese Differenz ein.

Nicht lohnend ist Each Way bei kleinen Feldern mit vier oder fünf Startern, bei denen nur zwei Plätze gelten und die Quoten generell niedrig sind. Ebenso wenig sinnvoll bei Favoriten – hier frisst der doppelte Einsatz den geringen Platzmehrwert auf. Und bei Trabrennen mit typischerweise kleineren Feldern ist die Wettart ohnehin selten verfügbar, weil die Starterzahlen den Einsatz mehrerer Platzierungen nicht hergeben.

Der globale Pferdewetten-Markt wurde 2024 auf rund 471 Milliarden Dollar geschätzt. In diesem Volumen steckt ein erheblicher Anteil an Each-Way-Wetten, besonders aus Großbritannien, Irland und Australien – Märkte, in denen das System seit über hundert Jahren Tradition hat. In Deutschland ist es weniger verbreitet, was für aufmerksame Wetter eine Chance sein kann: Wer Each Way versteht und gezielt einsetzt, nutzt ein Werkzeug, das vielen Mitbewerbern im deutschen Markt schlicht nicht geläufig ist. Einen umfassenden Überblick über alle Wettarten bei Pferderennen findest du im dazugehörigen Leitfaden.

Bekommt man bei Each Way den Einsatz doppelt abgezogen?
Ja. Each Way bedeutet zwei getrennte Wetten – eine auf Sieg und eine auf Platz. Wenn du 10 Euro Each Way setzt, werden 20 Euro von deinem Konto abgebucht. Beide Teile werden unabhängig voneinander abgerechnet.
Welcher Quotenanteil gilt für den Platz bei Each Way?
Das hängt vom Anbieter und der Feldgröße ab. Üblich ist ein Viertel der Siegquote bei Rennen mit acht bis fünfzehn Startern und ein Fünftel bei besonders großen Feldern ab sechzehn Startern. Die genauen Bedingungen werden beim jeweiligen Rennen angezeigt.