Was der Glücksspielstaatsvertrag mit Pferdewetten zu tun hat
Das Verhältnis zwischen Pferdewetten und dem Glücksspielstaatsvertrag ist wie eine Ehe, die keiner der beiden Partner so richtig gewollt hat. Pferdewetten existieren in Deutschland seit über hundert Jahren und wurden lange vor dem GlüStV durch das Rennwett- und Lotteriegesetz geregelt – ein Gesetz, das 1922 in Kraft trat und in seinen Grundzügen bis heute gilt. Der GlüStV kam erst 2021 in seiner aktuellen Form und überlagerte das ältere Sonderrecht, ohne es vollständig zu ersetzen.
Der deutsche Glücksspielmarkt hat ein Gesamtvolumen von rund 13,3 Milliarden Euro an Bruttospielerträgen. Pferdewetten sind darin ein kleiner, aber rechtlich komplizierter Bereich – weil sie zwischen zwei Regelwerken sitzen. Für Wetter ist diese juristische Doppelstruktur im Alltag kaum spürbar, aber sie hat Konsequenzen: für Lizenzierung, Besteuerung und Spielerschutz.
Rennwett- und Lotteriegesetz – das ältere Sonderrecht
Das Rennwett- und Lotteriegesetz regelt spezifisch die Veranstaltung von Rennwetten und die Besteuerung von Wetten auf Pferderennen. Es ist die Rechtsgrundlage für die Wettsteuer – seit Juli 2021 in Höhe von 5,3 Prozent des Einsatzes – und für die Zulassung von Wettveranstaltern bei Pferderennen.
Die historische Besonderheit: Pferdewetten waren in Deutschland legal, als fast alle anderen Formen von Sportwetten noch verboten oder in einer rechtlichen Grauzone angesiedelt waren. Die Rennvereine betrieben den Totalisator, die Wettsteuer floss in die Rennförderung, und das System funktionierte – mehr oder weniger – ohne den Glücksspielstaatsvertrag.
Mit dem Inkrafttreten des GlüStV 2021 änderte sich das Bild. Sportwetten – inklusive Pferdewetten – brauchten nun eine GGL (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder)-Lizenz, und die Spielerschutzregeln des GlüStV – OASIS (Onlineabfrage Spielerstatus), LUGAS (Länderübergreifendes Glücksspielaufsichtssystem), Einzahlungslimits – galten zusätzlich. Das Rennwett- und Lotteriegesetz wurde nicht aufgehoben, sondern ergänzt. Zwei Rechtsrahmen, die sich überlagern und nicht immer deckungsgleich sind. Für Juristen ein faszinierendes Konstrukt. Für Wetter eine Situation, in der die Regeln manchmal widersprüchlich wirken – etwa bei der Frage, ob das Einzahlungslimit des GlüStV auch für reine Pferdewetten-Anbieter gilt, die ausschließlich nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz operieren.
Ein Detail, das in der öffentlichen Diskussion oft untergeht: Die Wettsteuer von 5,3 Prozent basiert nicht auf dem GlüStV, sondern auf dem deutlich älteren Rennwett- und Lotteriegesetz. Der GlüStV regelt die Lizenzierung, der Spielerschutz und die technische Infrastruktur – aber die Besteuerung folgt einer eigenen Rechtsgrundlage. Für Pferdewetten-Spieler bedeutet das: Selbst wenn sich der GlüStV ändert, bleibt die Wettsteuer davon unberührt, solange das Rennwett- und Lotteriegesetz nicht separat novelliert wird.
Kanalisierungsquote – misst sie den Erfolg der Regulierung?
Die Kanalisierungsquote ist der Prozentsatz des Glücksspielmarktes, der im regulierten, lizenzierten Bereich stattfindet. Sie liegt im deutschen Online-Glücksspiel laut Industriestudien bei nur rund 50 bis 70 Prozent. Das bedeutet: Bis zur Hälfte des Marktes findet bei nicht lizenzierten Anbietern statt.
Ronald Benter, Vorstand der GGL, beschrieb die Regulierung als Spannungsfeld zwischen Kanalisierung und Prävention. Die Logik dahinter: Wenn die Regeln zu streng sind, weichen Spieler auf den Schwarzmarkt aus. Wenn sie zu locker sind, ist der Spielerschutz gefährdet. Die Kanalisierungsquote ist der Gradmesser dafür, ob das Gleichgewicht stimmt.
Bei Pferdewetten dürfte die Kanalisierungsquote höher liegen als im Gesamtmarkt, weil die Nische kleiner ist und die spezialisierten Anbieter mehrheitlich lizenziert sind. Aber präzise Zahlen für den Pferdewetten-Bereich allein gibt es nicht – die verfügbaren Daten beziehen sich auf den gesamten Online-Glücksspielmarkt. Was bekannt ist: Der Gesamtwettumsatz im deutschen Galopprennsport lag 2024 bei rund 30,8 Millionen Euro, der Großteil davon über lizenzierte Kanäle.
Was die Kanalisierungsquote für dich als Wetter bedeutet: Je niedriger sie ist, desto größer ist das Risiko, versehentlich bei einem nicht regulierten Anbieter zu landen. Und desto wichtiger ist es, die GGL-Whitelist vor der Anmeldung zu prüfen.
Für Pferdewetten-Spieler bedeutet eine niedrige Kanalisierungsquote konkret: Ein erheblicher Teil des Marktes findet bei Anbietern statt, die keine deutsche Lizenz haben und deren Angebote weder den Spielerschutzvorschriften noch der OASIS-Anbindung unterliegen. Das schafft ein Zwei-Klassen-System – regulierte Anbieter mit strengen Auflagen und nicht regulierte Anbieter mit mehr Freiheit, aber weniger Schutz für den Spieler. Die Debatte darüber, ob strengere Regulierung die Kanalisierung verbessert oder verschlechtert, wird im Rahmen des Zweiten GlüÄndStV neu aufgerollt.
Zweiter GlüÄndStV – was sich ab Mai 2026 ändern soll
Der Zweite Glücksspieländerungsstaatsvertrag wurde am 8. Juli 2025 bei der EU-Kommission notifiziert – das Inkrafttreten ist für Mai 2026 geplant. Es ist die erste größere Überarbeitung des GlüStV seit seinem Start und reagiert auf die Erfahrungen der ersten Jahre.
Die geplanten Änderungen betreffen mehrere Bereiche: Anpassungen bei den Einzahlungslimits stehen zur Diskussion, ebenso Modifikationen der Werberegeln und eine mögliche Vereinfachung des Lizenzierungsverfahrens, um die Kanalisierungsquote zu erhöhen. Für Pferdewetten ist besonders relevant, ob die Sonderstellung unter dem Rennwett- und Lotteriegesetz bestehen bleibt oder ob eine stärkere Integration in den GlüStV erfolgt. Erste Entwürfe deuten darauf hin, dass die Doppelstruktur bestehen bleibt – eine vollständige Zusammenführung beider Rechtsrahmen wäre politisch und juristisch zu komplex.
Die Sportwettensteuer brachte dem Fiskus 2022 rund 432 Millionen Euro ein. Ob der Steuersatz von 5,3 Prozent angepasst wird, ist Teil der Debatte – aber eine Senkung gilt als unwahrscheinlich, weil die Steuereinnahmen für den Staat zu attraktiv sind. Realistischer ist eine Beibehaltung oder sogar eine Erhöhung, die dann durch höhere Kanalisierung kompensiert werden soll.
Was sich für Pferdewetten-Spieler konkret ändert
Für den einzelnen Wetter werden die Änderungen des Zweiten GlüÄndStV voraussichtlich moderat ausfallen. Die Kernregeln – Lizenzpflicht, OASIS-Sperre, Einzahlungslimit, Wettsteuer – bleiben bestehen. Was sich ändern könnte, sind die Details: die Höhe des Einzahlungslimits, die Möglichkeiten zur individuellen Anpassung, die Werbebeschränkungen und die technischen Anforderungen an die Anbieter.
Was nicht kommen wird: eine Deregulierung. Der Trend in Europa geht eindeutig in Richtung stärkerer Regulierung, nicht schwächerer. Großbritannien verschärft die Werberegeln, die Niederlande haben 2021 einen komplett neuen Regulierungsrahmen geschaffen, Italien reguliert Online-Glücksspiel seit Jahren streng. Deutschland folgt diesem Muster, wenn auch mit eigenen Besonderheiten. Für Pferdewetten-Spieler bedeutet das: Die Spielregeln werden sich weiter verfeinern, aber das grundsätzliche System – lizenzierte Anbieter, staatliche Aufsicht, Spielerschutz – wird bleiben. Wer sich innerhalb dieses Systems bewegt, hat Rechtssicherheit. Wer es umgeht, riskiert zunehmend mehr.
Eine Änderung, die weniger Aufmerksamkeit bekommt, aber für aktive Wetter relevant ist: Die geplante Anpassung der technischen Standards für LUGAS und die Safe-Server-Infrastruktur. Schnellere Abfragen, bessere Synchronisation zwischen Anbietern und präzisere Echtzeit-Kontrollen sollen die Spielerüberwachung verbessern. Ob das in der Praxis zu spürbaren Veränderungen im Wettablauf führt, wird sich zeigen – aber die technische Infrastruktur wird mit dem neuen Staatsvertrag modernisiert.
Die Regulierung des deutschen Glücksspielmarktes bleibt – so Ronald Benter, Vorstand der GGL – ein Spannungsfeld zwischen der Kanalisierung der Nachfrage und der Prävention von Glücksspielsucht. Dieser Satz fasst das zentrale Dilemma zusammen: Zu strenge Regeln treiben Spieler in den illegalen Markt, zu lockere Regeln gefährden den Spielerschutz. Der Zweite GlüÄndStV versucht, diesen Balanceakt neu zu justieren – ob erfolgreich, wird sich erst nach der Umsetzung zeigen.
Für Pferdewetten-Spieler, die sich im legalen Rahmen bewegen, ändert sich am grundsätzlichen Ablauf wenig. Die Anbieterauswahl bleibt über die GGL-Whitelist geregelt, das OASIS-System bleibt aktiv, und die Wettsteuer wird nicht sinken. Was sich verbessern könnte, ist die Attraktivität des legalen Marktes insgesamt – wenn die Regulierung es schafft, mehr Anbieter in den lizenzierten Bereich zu ziehen und damit den Wettbewerb um die besten Quoten zu verschärfen. Ein umfassender Anbietervergleich hilft, die aktuelle Marktsituation einzuschätzen und den besten lizenzierten Anbieter zu finden.
Ein umfassender Vergleich der Pferdewetten-Anbieter berücksichtigt den regulatorischen Rahmen als Grundlage jeder Empfehlung.
